Solaranlage: Lohnt sich Solarstrom?

17.11.2020
Solaranlage: Die meisten Dächer eignen sich für eine Photovoltaikanlage.
  1. Grosses Potenzial für Solaranlagen in der Schweiz
  2. Eine Solaranlage lohnt sich ökologisch
  3. Eine Solaranlage lohnt sich ökonomisch
  4. Faktor 1: Das Dach
  5. Faktor 2: Die Kosten
  6. Faktor 3: Die Förderbeiträge
  7. Faktor 4: Die Steuerabzüge
  8. Faktor 5: Die Einspeisevergütung
  9. Faktor 6: Der Eigenverbrauch
  10. Solarrechner: Lohnt sich eine Solaranlage für Sie?

Die Schweiz hat im Jahr 2019 mehr als 57 Milliarden Kilowattstunden oder 57 Terawattstunden Strom verbraucht. Laut einer vor kurzem veröffentlichen Studie des Bundesamtes für Energie BFE könnten wir unseren gesamten Stromverbrauch allein mit Solarenergie decken. Das Potenzial von Solaranlagen auf Dächern (50 Terawattstunden) und Fassaden (17 Terawattstunden) würde ausreichen.

Grosses Potenzial für Solaranlagen in der Schweiz

Aktuell produzieren wir erst 1,3 Terawattstunden Solarenergie, im Jahr 2035 sollen es gemäss WWF-Studien immerhin 15,3 Terawattstunden sein. Das ist weniger als beispielsweise in Deutschland, das viel weiter ist, obwohl die klimatischen Bedingungen schlechter sind als bei uns. In der Schweiz liegt die Sonneneinstrahlung je nach Standort mit 1050 bis 1600 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr höher und ist in den Alpen gar mit Spanien vergleichbar. Die Sonne ist eine unerschöpfliche Energiequelle, darum ist Solarenergie ein Eckpfeiler der Energiestrategie 2050, die wir am 21. Mai 2017 an der Urne angenommen haben. Bis 2050 sollen 24 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien wie Solarenergie, Windkraft, Biomasse oder Erdwärme produziert werden. Der Ausbau dieser Energiequellen ist die einfachste Klimaschutzmassnahme.

Gewusst: Die Sonne scheint in den Schweizer Alpen so intensiv wie in Spanien.

Eine Solaranlage lohnt sich ökologisch

Solarenergie ist nicht nur unerschöpflich, sondern auch viel umweltfreundlicher und klimaschonender als fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas. Wenn Sie beispielsweise Ihr Einfamilienhaus mit Holz und einer Solaranlage statt Öl heizen, senken Sie Ihren CO2-Ausstoss um mehr als vier Tonnen jährlich. Und wenn Sie Ihr Haus energieeffizient bauen oder renovieren, können Sie sogar Ihren gesamten Wärmebedarf mit einer Solaranlage decken. Das schont die Umwelt, weil bei der Solarstromproduktion weder Luftschadstoffe noch CO2 entstehen, und entlastet gleichzeitig Ihr Portemonnaie.

Eine Solaranlage lohnt sich ökonomisch

Wirtschaftliche Argumente für eine Photovoltaikanlage auf dem Dach gibt es zahlreiche:

  • Sie senken Ihre Stromkosten langfristig um 30 Prozent
  • Sie sind unabhängig von Strompreissteigerungen
  • Sie steigern den Wert Ihres Hauses nachhaltig
  • Sie sichern sich staatliche Förderbeiträge
  • Sie optimieren Ihre Steuerbelastung

Eine Solaranlage ist eine Investition. Wie schnell sie sich amortisiert, hängt von vielen Faktoren ab. Wenn Sie einen hohen Eigenverbrauchsanteil (siehe «Faktor 6: Der Eigenverbrauch») haben, rechnet sich die Investition in der Regel innerhalb von 15 bis 20 Jahren. Bei einer Lebensdauer von 30 Jahren können Sie also 10 bis 15 Jahre lang viel Geld sparen. Ausserdem produzieren Sie Ihren eigenen Strom: Je stärker die Preise steigen, desto schneller amortisiert sich die Photovoltaikanlage.

Faktor 1: Das Dach

Wie gut sich Ihr Haus für eine Solaranlage eignet, hängt von der Sonneneinstrahlung und der Grösse der Dachfläche ab. Die Sonneneinstrahlung wird durch drei Faktoren massgeblich beeinflusst:

  • Am intensivsten ist die Sonneneinstrahlung, wenn das Dach nach Süden ausgerichtet ist. Süd-Ost- bis Süd-West-Abweichungen minimieren die Stromproduktion nur geringfügig. Ausserdem amortisieren sich Photovoltaikanlagen mit einem hohen Eigenverbrauch am schnellsten, darum lohnt sich die Installation auch auf Dächern, die nach Südosten oder Südwesten ausgerichtet sind.
  • Dächer mit einer Neigung von 30 bis 35 Grad eignen sich am besten. Sobald der Neigungswinkel höher oder tiefer ist, entscheidet die Ausrichtung. Wenn das Dach nach Süden ausgerichtet ist, ist der Einfluss der Neigung gering. Je weiter die Ausrichtung von Süden abweicht, desto stärker sinkt das Potenzial einer Solaranlage, wenn die Dachneigung unter 30 Grad oder über 30 Grad liegt.
  • Schatten führt zu deutlichen Produktionsverlusten. Zum einen, weil weniger Licht in Strom umgewandelt wird, zum anderen, weil die Module der Solaranlage in Reihe geschaltet sind. Sobald ein Modul im Schatten wenig Strom produziert, produzieren alle anderen Module auch weniger.

Auch die Dachgrösse spielt eine wichtige Rolle, weil die Investitions- und Unterhaltskosten pro Quadratmeter mit mehr Fläche sinken. Darum sind grössere Flächen in der Regel rentabler als kleinere.

Solaranlage: Eignung mit dem Solarrechner analysieren

Faktor 2: Die Kosten

2020 gibt ein Schweizer Privathaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden laut der Eidgenössischen Elektrizitätskommission im Durchschnitt 932 Franken für Strom aus. Die Strompreise variieren je nach Region und Netzbetreiber stark und setzen sich aus vier Komponenten zusammen:

  • Dem Energietarif für die gelieferte Energie,
  • dem Netznutzungstarif für den Transport des Stroms zum Kunden,
  • Abgaben und Gebühren wie Konzessions- oder Energieabgaben und
  • dem Netzzuschlag, mit dem erneuerbare Energien gefördert, Grosswasserkraftwerke unterstützt und Wasserkraftanlagen ökologisch saniert werden.

Solaranlage: 932 Franken gibt ein Schweizer Privathaushalt im Jahr für Strom aus.
Mehr als 900 Franken gibt ein durchschnittlicher Schweizer Privathaushalt im Jahr für Strom aus. (Quelle: Eidgenössische ElektrizitätskommissionStatista)

Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einem jährlichen Stromverbrauch von plus/minus 4500 Kilowattstunden genügt eine Solaranlage mit 8 Kilowatt-Peak Leistung. Mit 1 Kilowatt-Peak produzieren Sie ungefähr 900 Kilowattstunden Strom im Jahr, mit 8 Kilowatt-Peak also rund 7200 Kilowattstunden. Damit sind Sie auf der sicheren Seite, selbst wenn Sie mehr Strom brauchen als ursprünglich angenommen.  Eine solche Photovoltaikanlage kostet ungefähr 20'000 Franken. Wenn Sie die Fördergelder (siehe «Faktor 3: Die Förderbeiträge») und Steuerersparnisse (siehe «Faktor 4: Die Steuerabzüge») berücksichtigen, kostet Sie diese Anlage netto rund 15'000 Franken. Dazu kommen jährliche Betriebskosten von etwa 1 Prozent der Investitionskosten im Jahr, also rund 200 Franken jährlich oder 6000 Franken während der gesamten Lebensdauer von 30 Jahren.

Faktor 3: Die Förderbeiträge

Der Bund fördert die Stromproduktion aus Solaranlagen finanziell. Wenn Sie eine Anlage auf dem Dach Ihres Einfamilienhauses installieren, erhalten Sie die sogenannte kleine Einmalvergütung für Photovoltaikanlagen bis 100 Kilowatt-Peak. Die Höhe des Förderbeitrages hängt von der Leistung der Anlage ab. Für die 8-Kilowatt-Peak-Anlage in unserem Beispiel würden Sie rund 4000 Franken als Einmalvergütung erhalten. Sie wird ausbezahlt, sobald Sie die Anlage in Betrieb genommen haben.

Faktor 4: Die Steuerabzüge

Wenn Sie die Solaranlage nachträglich auf Ihrem Dach installieren, können Sie in den meisten Kantonen 100 Prozent der Investitionskosten von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Falls Sie vom Bund eine Einmalvergütung erhalten haben, dürfen Sie allerdings nur die Nettoinvestitionskosten (Investitionskosten minus Einmalvergütung) abziehen. In der Regel muss das Haus fünf Jahre alt sein, damit die Investitionskosten abzugsfähig sind. Wieviel Steuern Sie sparen, hängt von Ihrem steuerbaren Einkommen und von der Progression ab.

Gut zu wissen: Wenn Sie neu bauen, zählen die Investitionskosten zu den Baukosten und sind darum nicht abzugsfähig.

Faktor 5: Die Einspeisevergütung

Sie können Strom, den Sie nicht selber verbrauchen, Ihrem Energieversorger verkaufen. Dafür erhalten Sie eine sogenannte Einspeisevergütung, die regional stark variiert. Als Privatperson können Sie Ihren Strom nur Ihrem Energieversorger verkaufen und sind an ihn – und seine Preise – gebunden.

Solaranlage: Mit einer Ladestation für Elektrofahrzeuge Stromkosten sparen
Wenn Sie Ihren Eigenverbrauch steigern, zum Beispiel mit einer Ladestation für Elektrofahrzeuge, verbrauchen Sie mehr günstige Solarenergie als teuren Strom aus dem Netz.

Faktor 6: Der Eigenverbrauch

Ihr eigener Strom kostet Sie deutlich weniger als Strom aus dem Netz. Das heisst, Sie senken Ihre Stromkosten, wenn Sie den Eigenverbrauchsanteil steigern und  mehr selber produzierten Strom verbrauchen. Darum sollten Sie mehr günstige Solarenergie als teuren Strom von Ihrem Versorger verbrauchen. Ihren Eigenverbrauch können Sie auf verschiedene Arten steigern. Zum Beispiel, wenn Sie die Solaranlage mit

− einer Wärmepumpe,
− einem Batteriespeicher,
− einer Ladestation für Elektrofahrzeuge oder
− einem Elektroboiler

kombinieren. Ausserdem können Sie den Eigenverbrauch erhöhen, wenn Sie Ihr Verhalten anpassen und beispielsweise die Wäsche am Nachmittag waschen, weil dann die Photovoltaikanlage viel Strom produziert.

Gut zu wissen: Fachleute gehen davon aus, dass der Preis für Strom aus dem Netz steigen und die Einspeisevergütung für Solarenergie sinken wird. Darum sollten Sie den Eigenverbrauch steigern.

Solarrechner: Lohnt sich eine Solaranlage für Sie?

In die Amortisationsrechnung oder Kapitalflussrechnung fliessen mindestens sechs wichtige Faktoren mit ein. Viele dieser Faktoren sind abhängig von Ihrem Haus, dem Standort und Ihrem Energieversorger. Weil die Berechnung recht aufwändig ist und manche Faktoren wie die Sonneneinstrahlung erst recherchiert werden müssen, haben wir den Houzy Solarrechner für Sie entwickelt. Er berücksichtigt alle Faktoren, die wir in diesem Artikel kurz angerissen haben, auch die wichtigen Förderbeiträge und Steuerabzüge für Solaranlagen.

Mit dem neuen Houzy Solarrechner können Sie in wenigen Minuten das Solarpotenzial Ihres Daches analysieren, die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage berechnen und dabei verschiedene Eigenverbrauch-Szenarien simulieren.

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