Neubau oder Umbau: Wer haftet für Handwerkerschäden?

4.11.2021
Handwerkerschäden: Umbau Haus
  1. Die Schuldfrage
  2. Die Grundeigentümerhaftung
  3. Die Werkeigentümerhaftung
  4. Umweltschutz und Gewässerschutz
  5. Reicht die Privathaftpflicht- und Gebäudeversicherung?
  6. Obligatorisch: Bauzeitversicherung
  7. Freiwillig, aber wichtig: Bauherrenhaftpflichtversicherung
  8. Freiwillig, aber wichtig: Bauwesenversicherung
  9. Augen auf bei der Handwerker-Wahl

Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Das gilt auch für Neubauten, Renovationen, Sanierungen oder Umbauten. Fehler sind ärgerlich und verzögern die Bauarbeiten. Manchmal können die Schäden auch ganz schön teuer werden. Zum Beispiel, wenn ein Handwerker aus Versehen eine tragende Wand einreisst, Ziegel vom Dach auf das Auto auf Nachbars Grundstück fallen oder der Sanitärtechniker nur einen Moment nicht aufpasst und eine Leitung beschädigt. Wer haftet für die finanziellen Folgen der Schäden?

Die Schuldfrage

Selbstverständlich haften Handwerker für Schäden, die sie bei ihrer Arbeit verursachen. Bitten Sie darum jeden Handwerker um einen Nachweis für die Haftpflichtversicherung und den Abschluss einer Baugarantieversicherung. Leider ist es aber nur selten so klar und eindeutig, wer schuld und damit für einen Handwerkerschaden verantwortlich ist. Falls Sie und der Handwerker die Schuldfrage nicht zweifelsfrei klären können, könnte sich seine Versicherung weigern, den Schaden zu tragen. Dann haftet die Eigentümerin oder der Eigentümer für Personenschäden und Sachschäden, auch ohne direktes Verschulden. Für Wohneigentümer*innen gibt es drei Haftungen, die wichtig sind und die Sie kennen sollten.

Die Grundeigentümerhaftung

Die Grundeigentümerhaftung ist im Zivilgesetzbuch (Artikel 679 ZGB) geregelt. Wenn die Bauarbeiten ein Nachbarhaus beschädigen, haften Sie und Ihre Nachbarin oder Ihr Nachbar könnte einen Abwehr- und Schadenersatzanspruch geltend machen. Zum Beispiel, wenn Handwerker Pfähle in den Boden rammen, um das Fundament Ihres Hauses zu stützen, und dadurch Risse in der Fassade des Nachbarhauses entstehen. Als Grundeigentümer*in haften Sie kausal, das heisst auch dann, wenn Sie gar keine Schuld trifft.

Haftung Handwerkerschäden: Risse in der Hausfassade
Als Grundeigentümer haften Sie für Risse in der Fassade des Nachbarhauses, die auf Ihre Bauarbeiten zurückzuführen sind.

Die Werkeigentümerhaftung

Die Werkeigentümerhaftung ist im Obligationenrecht (Artikel 58 OR) geregelt. Als Werkeigentümer*in haften Sie vor allem für Personenschäden, aber auch für Sachschäden, wenn das Gebäude fehlerhaft angelegt, fehlerhaft gebaut oder mangelhaft unterhalten worden ist. Zum Beispiel, wenn ein Kind während der Bauarbeiten in einen ungesicherten Schacht fällt oder einer Passantin ein Ziegel auf den Kopf fällt und sie verletzt. Als Werkeigentümer*in haften Sie (wie bei der Grundeigentümerhaftung) kausal.

Umweltschutz und Gewässerschutz

Der Umweltschutz ist im Umweltschutzgesetz (Artikel 59a USG) geregelt, der Gewässerschutz im Gewässerschutzgesetz (Artikel 54 GSchG). Als Bauherr haften Sie für Umweltbeeinträchtigungen. Zum Beispiel, wenn bei den Bauarbeiten ein Fass voller giftiger Chemikalien umkippt und den Boden kontaminiert oder ein Farbeimer vom Baugerüst in den Bach fällt und das gesamte Ökosystem in der Umgebung vergiftet.

Reicht die Privathaftpflicht- und Gebäudeversicherung?

Versicherungen schützen vor den finanziellen Folgen von Schäden. In vielen Fällen genügen aber weder Ihre Privathaftpflichtversicherung noch die Gebäudeversicherung, wenn Sie für einen grösseren Schaden bei einem Bau oder Umbau, einer Renovation oder einer Sanierung haftbar gemacht werden. Zum einen schränken viele Haftpflichtversicherungen ihre Deckung ab einer gewissen Summe ein oder aus, zum anderen ist die Gebäudeversicherung nicht in jedem Kanton obligatorisch und deckt lediglich Feuer- oder Elementarschäden. Reden Sie darum mit Ihrer Versicherungsgesellschaft und klären Sie die genaue Deckung ab, bevor die Arbeiten beginnen. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, können Sie sich mit Zusatzversicherungen umfassend vor Schadenforderungen oder Haftungsansprüchen schützen.

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Obligatorisch: Bauzeitversicherung

Bauzeitversicherung heisst die Gebäudeversicherung während der Bauzeit, in der Feuer- oder Elementarschäden wie Blitz, Hagel, Sturm oder Überschwemmungen besonders häufig sind. Sie ist in allen Kantonen (bis auf Genf, Tessin und Wallis sowie Teile von Appenzell Innerrhoden) obligatorisch. Im Kanton Zürich beispielsweise müssen Neubauten sowie Um- oder Anbauten, die mehr als 50'000 Franken kosten, vor Beginn der Arbeiten versichert werden. Mit einer Bauzeitversicherung schützen Sie sich vor den finanziellen Folgen von Schäden während der Bauphase, vor Ansprüchen von Dritten und vor ungerechtfertigten Ansprüchen von Versicherungsgesellschaften. Ausserdem stellen Sie mit dem Kapitalschutz sicher, dass die Bauarbeiten fortgesetzt werden und die Versicherung die Schuldfrage für Sie klärt.

Freiwillig, aber wichtig: Bauherrenhaftpflichtversicherung

Als Bauherrin oder Bauherr haften Sie für alle Schäden an fremden Personen und an fremdem Eigentum, selbst wenn ein Handwerker den Schaden verursacht hat. Zum Beispiel, wenn Teile vom Baugerüst auf ein parkiertes Auto fallen, eine Besucherin oder ein Besucher auf Ihrer Baustelle verunfallt oder ein Nachbarhaus durch die Bauarbeiten beschädigt wird. Wenn Sie Glück haben, deckt Ihre Privathaftpflichtversicherung solche Haftpflichtansprüche. Falls nicht, und das ist häufig der Fall, sollten Sie unbedingt eine separate Bauherrenhaftpflichtversicherung abschliessen. Bei Bau- oder Umbaukosten von 100'000 Franken sollten Sie mit einer Versicherungsprämie von 300 bis 400 Franken rechnen. Das ist im Vergleich zu den möglichen Haftpflichtansprüchen wenig Geld und eine gute Investition in einen ruhigen Schlaf.

Gut zu wissen: Sie können die Garantiesumme frei wählen und behalten die volle Kostenkontrolle, weil die Versicherung unbegründete oder überhöhte Forderungen abwehrt und Regressansprüche reguliert.
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Freiwillig, aber wichtig: Bauwesenversicherung

Die Bauwesenversicherung ist wie die Kaskoversicherung für Ihr Auto. Wenn das Haus beschädigt oder gar zerstört wird, übernimmt die Bauwesenversicherung die Kosten für die Arbeiten, Baustoffe und Bauteile sowie alle versicherten Sachen. Unabhängig davon, wer den Schaden verursacht hat. Zum Beispiel, wenn ein Handwerker eine tragende Wand einreisst oder eine Wasserleitung anbohrt, eine Baugrube nach einem heftigen Gewitter einstürzt oder die Statik falsch berechnet worden ist und die Stützpfeiler das Gewicht nicht tragen. Eine Bauwesenversicherung deckt ausserdem Diebstähle auf der Baustelle sowie Schäden, die in der Bauphase entstanden sind, aber erst nach dem Bauabschluss auftreten.

Gut zu wissen: Die Bauwesenversicherung lohnt sich dank der tiefen Prämie selbst für kleinere Bauprojekte, beispielsweise die Badezimmer-Renovation oder den Einbau neuer wärmegedämmter Fenster.

Haftung Handwerkerschäden: Handwerker spricht mit einem Mann
Mit dem richtigen Handwerker minimieren Sie die Wahrscheinlichkeit von Handwerkerschäden.

Tipp: Die Bauwesenversicherung schliesst Lücken in der Betriebshaftpflicht vieler Architekten, Bauleiter und Handwerker. Reden Sie mit Ihrem Architekten oder Bauleiter, vielleicht können Sie die Versicherung gemeinsam abschliessen oder sich an ihrer Versicherung beteiligen und die Prämie aufteilen.

Augen auf bei der Handwerker-Wahl

Fehler passieren. Selbst dem besten Handwerker. Entscheidend ist der Umgang damit. Jeder Handwerker ist betriebshaftpflichtversichert. Sie müssen ihm aber einen Fehler nachweisen. Das ist oft schwierig. Besonders, wenn der Handwerker die Schuld von sich weist, mehrere Handwerker beteiligt sind oder der Fall unklar ist. Wenn Sie rundum versichert sind, ersparen Sie sich viel Ärger: Sie müssen nur den Schaden Ihrer Versicherungsgesellschaft melden, die mit dem Handwerker oder dessen Versicherung verhandelt und den Schaden für Sie reguliert. Mit Ihrer Handwerker-Wahl können Sie solche unerfreulichen Erlebnisse nicht verhindern, aber die Wahrscheinlichkeit senken. In unserem Netzwerk finden Sie nur geprüfte Handwerker, die wir Ihnen mit gutem Gewissen empfehlen. Vom Baumeister über Bodenleger, Dachdecker, Elektriker, Gipser, Maler, Metallbauer, Plattenleger, Schlosser und Schreiner bis zum Spengler.

Fragen Sie Handwerker aus Ihrer Region an, die sich keine schlechte Werbung leisten können oder wollen, vergleichen Sie alle Offerten und hören Sie nicht nur auf Ihren Kopf, sondern auch auf Ihren Bauch. Viel Spass mit Ihrem nächsten kleineren oder grösseren Bauprojekt!

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